Zuhause in der Fremde
Zuhause in der Fremde

 

 

 

PROJEKTWOCHE

 

Montag, 03.02.2014: 11.00- 13.10 Uhr


Materialien: Plakate, Fotos, Stifte, Kleber


Wir erarbeiten gemeinsam mit Shakib und Munira das Thema „Zuhause in der Fremde“, das uns in der kommenden Woche beschäftigen soll. Hierzu erstellen wir insgesamt zwei Plakate, auf welchen sich ein gezeichnetes Haus mit mehreren Etagen befindet. Im Dach befindet sich das übergeordnete Thema „Zuhause in der Fremde.“ Die anderen Etagen sind mit jeweils einer der folgenden Fragestellungen versehen: „Was vermisse ich? Was fehlt mir aus meiner Heimat?“, „Was gefällt mir hier in Deutschland/Oldenburg?“ sowie „Was wünsche ich mir für die Zukunft?“. Die Ideen und Gedanken der beiden können auf Deutsch aber auch auf Persisch/Arabisch verschriftlicht werden. Ziel des heutigen Treffens ist es die beiden für das Thema zu sensibilisieren und Ideen für deren Bilder zu sammeln.

Abschließend vervollständigen wir die bereits angefertigten Plakate vom letzten Mal mit weiteren Bildern.

 

Reflexion: 

Die Planung des Tages mussten wir kurzzeitig abändern, da wir in der Schule feststellten, dass Munira an diesem Tag fehlte. Wir bereiteten jedoch trotzdem ihr Plakat vor, damit sie dies an einem der nächsten Tage bearbeiten kann.

Shakib fertigte sein Plakat zusammen mit uns an und übersetzte das Projektthema, sowie alle Fragestellungen. Er fand auf jede der drei Fragen Antworten, nur die Frage, was er aus seiner Heimat vermisse, fiel ihm zunächst schwer. Er konnte dagegen zügig beantworten, was er sich für die Zukunft wünscht. Er möchte beispielsweise gerne in einem schönen Haus leben, in Deutschland bleiben und einmal Ingenieur oder Arzt werden.

Wir hatten zunächst vor, die Plakate vom letzten Mal zu vervollständigen, unterließen dies aber, da sich für den Rest der Zeit ein intensives Gespräch mit Shakib ergab, in dem er ungewohnt offen über seinen Schulalltag in Teheran sprach. Wir versuchten außerdem das Ziel unseres Projekts mithilfe der Tafel zu verdeutlichen und fingen an konkrete Ideen für Shakibs Foto zu sammeln.

 

 

 

Dienstag, 04.02.2014: 8.40- 13.10 Uhr


Materialien: Digitalkameras, unterschiedliche Requisiten (u.a. Teppich, Lampe, Besteck, Geschirr,...), Stativ


Den zweiten Tag werden wir mit Munira und Shakib an unterschiedlichen Schauplätzen in der Oldenburger Innenstadt verbringen. Ziel ist es, bereits betrachtete und besprochene inszenierte Fotografien noch einmal aufzugreifen und nachzustellen. Anlaufstellen dafür werden wahrscheinlich sein: die Ruine am Pulverturm, das Restaurant Klinkerburg, der Bahnhof und McDonald’s. Das Nachstellen der inszenierten Fotografien soll Anreize für eigene Ideen liefern. Da Munira und Shakib öfter davon berichtet haben, dass sie in ihrem Heimatland aber auch in Deutschland auf dem Boden essen, wollen wir diesen Kontrast insbesondere im Restaurant Klinkerburg aufgreifen. Dafür haben wir einen ersten Termin mit der Inhaberin verabreden können (11.00 Uhr).

 

Reflexion:

Bevor wir in die Stadt aufbrachen, ergänzten wir Muniras „Plakathaus“ vom Vortag. Währenddessen staubsaugte Shakib den mitgebrachten Teppich, den wir später im Restaurant Klinkerburg benutzen würden. Auch Munira fand auf alle Fragen Antworten und wünscht sich für die Zukunft hier in Deutschland bleiben zu können. Sie war besonders erfreut darüber, dass sie am letzten Wochenende zusammen mit ihrer Familie in ein neues Haus ziehen konnte. Unser erster Anhaltspunkt war die Ruine am Pulverturm. Besonders Shakib hatte Spaß dabei, die Ruine zu erkunden. Trotz kurzen Aufenthaltes entstanden zahlreiche Fotos in Anlehnung an eine inszenierte Fotografie, welche einen roten Sessel neben einem alten Gemäuer darstellt. Dafür setzten wir einen kleinen, roten Klappstuhl auf verschiedene Weise in Szene. Shakib setzte sich auch spontan auf diesen drauf und versuchte sich in nachdenklichen Posen. Munira übernahm an diesem Schauplatz eine der zwei Digitalkameras.

Die zweite Anlaufstelle an diesem Tag war das Restaurant Klinkerburg. Pünktlich um 11.00 Uhr öffnete das Lokal und wir konnten gleich mit unseren Probeaufnahmen beginnen. Wir durften uns überall umschauen, entschieden uns aber letztlich für den Hauptspeisesaal. Shakib hielt sich anfangs etwas zurück, Munira entgegen zeigte uns verschiedene Sitzpositionen und stellte eine Situation nach, in der gegessen wird. Charlotte setzte sich später zu Munira, während Julia und Shakib sich zum Schluss als fiktive Gäste an einen benachbarten Tisch, sodass die zwei Essgewohnheiten nebeneinander gestellt wurden. Inga Malin und unsere Dozentin Edda Akkermann fotografierten die dargestellten Szenen. Diese ersten Bilder wollen wir am Donnerstag am PC anschauen und bestimmte Fotografien für weitere Bearbeitung mithilfe von Photoshop auswählen. Die Geschäftsführerin sagte uns am Ende zu, dass wir das Lokal für unser finales Fotoshooting nutzen dürfen.

Nach unserem Restaurantbesuch gingen wir in die Bahnhofshalle und holten uns auf Wunsch der beiden bei McDonald’s eine kleine Stärkung. Während des Essens besprachen wir den weiteren Wochenverlauf und fragten sie, ob sie sich irgendetwas wünschen würden. Da Munira äußerte, dass sie gerne kochen wollen würde, entschieden wir uns, dass wir den Freitag dafür nutzen wollen. Shakib schlug daraufhin auch gleich ein afghanisches Rezept vor. Unseren Besuch beim Schafshof am Freitag werden wir auf den Sommer verschieben, da wir in dieser Woche das Restaurantmotiv weiter vertiefen möchten. Zum Abschluss gingen wir gemeinsam im Supermarkt für unser Kochtreffen am Freitag einkaufen.    

 

Mittwoch, 05.02.2014: 8.40-13.10 Uhr


Materialien: Digitalkameras, Stativ, Verkleidungen, Schminke, Beispielbilder


Für heute planen wir zusammen mit zwei weiteren Gruppen einen Theaterbesuch im Blauschimmel-Atelier. Ziel ist es, dass Munira und Shakib eine professionellere Atmosphäre wie die eines Theaters kennenlernen. Um die Situation authentisch zu gestalten, hoffen wir darauf, genügend Verkleidungsmaterial im Atelier vorzufinden. Gemeinsam mit den anderen zwei Gruppen werden wir verschiedenen Übungen zum darstellenden Spiel ausprobieren. Zusätzlich bringt unsere Gruppe ein paar Bilder mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken mit, um das Thema „Emotionen“ aufzugreifen. In Anlehnung an die Gruppe Gelb, wäre das fotografische Festhalten von verschiedenen Gesichtsausdrücken sehr gut, um im späteren Verlauf darauf zurückgreifen zu können.

 

Reflexion:

Am heutigen Tag waren wir zusammen mit drei weiteren Gruppen im Blauschimmel Atelier. Dort haben wir zunächst einige kleine Aufwärmspiele gemacht, die vor allen Dingen darauf basierten, dass sich die einzelnen Gruppenmitglieder trennen und sich in neuen kleinen Gruppen zusammenfinden sollten. Zudem sollte sich auch die Athmosphäre lockern, um die Basis für die noch kommenden Darstellungsspiele zu schaffen.

Das erste dieser Spiele sollte darauf abzielen, den SchülerInnen verschiedene Emotionen zu vermitteln und diese darstellen zu lassen. Dafür teilten wir die Gruppe in kleinere 4er Gruppen auf. Diese Kleingruppen erhielten dann mehrere Kärtchen, auf denen Emotionen wie „Wut", „Freude", „Schrecken" o.ä. dargestellt waren. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit stellten die Gruppen dann ihre Emotionen vor und wurden fotografiert.

Der dritte Teil des Tages nahm am meisten Zeit in Anspruch und bewegte sich bereits stark im Bereich der inszenierten Fotografie. Die gesamte Gruppe platzierte sich als Zuschauermenge in der einen Hälfte des Raumes. Dann wurden drei von uns ausgewählt, die Regisseure zu spielen. Diese mussten dann eine von vielen Karten ziehen, auf denen prägnante Filmszenen zu sehen waren. Daraufhin wählten sie wiederrum mehrere (benötigte) Darsteller aus, um die Szene inszenieren zu können. Sie stellten, verkleideten, und wiesen die Darsteller an, um sich möglichst nah an der vorgegebenen Fotografie zu bewegen. Insbesondere diese Übung machte allen SchülerInnen sehr viel Spaß, sie zeigten bis zum Ende ein großes Interesse und setzten die Vorgaben sehr schnell und ohne Probleme um.

Abschließend sei zu erwähnen, dass dieser Tag den SchülerInnen eine bessere Vorstellung darüber vermittelte, in welche Richtung wir in der folgenden Zeit arbeiten möchten. Denn Munira und Shakib wissen zwar, dass Fotos von ihnen entstehen sollen, aber nun wissen sie auch, dass jedes dieser Fotos mit großem Aufwand verbunden ist und eine Inszenierung darstellt.

 


 

Donnerstag, 06.02.2014: 8.40- 13.10 Uhr


Materialien: entwickelte Fotos, Plakate, Kleber, Sportbekleidung, Digitalkameras


Am vierten Tag wollen wir uns gemeinsam die Fotos, die Munira und Shakib mit den Einwegkameras im Vorfeld zu Hause aufgenommen haben, thematisieren. Diese möchten wir in Anlehnung an einen Fotofilm (Plakat) für die Ausstellung festhalten. Im Anschluss planen wir einen Besuch in einem Kickboxverein, da Shakib einige Male geäußert hat, dass ihn die Sportart interessiert. Eventuell lässt sich ja auch eine Trainingseinheit organisieren. Wir erhoffen uns dadurch Shakibs Interesse zu wecken und ein mögliches Motiv für das zukünftige Bild zu finden.

 

Aktualisierung:

 

Einführung in Photoshop und Bearbeiten der Fotos aus der Klinkerburg. 

 

Reflexion:

Da Shakib bei den letzten Treffen einige Male davon erzählt hat, dass er gerne Ingenieur werden wollen würde, entschieden wir uns dieses Thema mehr in den Fokus zu rücken und den Besuch beim Kickboxverein vorerst abzusagen. Dafür werden wir versuchen einen Termin an einer Baustelle zu bekommen, welche wir dann im Sommer besuchen würden, um Shakibs Berufswunsch als Bildmotiv weiter zu verfolgen.

Während des ersten Teils unseres heutigen Treffens benutzten wir drei Laptops, um uns gemeinsam mit den beiden die Bilder aus der Klinkerburg anzuschauen. Im Zuge dessen zeigten wir ihnen einige Möglichkeiten, ein Bild mithilfe von Photoshop zu verändern und neu zu bearbeiten. Da wir Studentinnen uns anfangs selbst etwas unsicher bezüglich der Photoshopanwendung waren, war es für Shakib und Munira zunächst etwas schwierig zu folgen. Nachdem wir jedoch einige Anwendungen nach kurzer Auffrischung wieder zeigen konnten, gelang die Erklärung besser und beide versuchten sich im Bildbearbeiten. Besonders das Duplizieren von Gegenständen oder der eigenen Person wurde in verschiedenen Varianten ausprobiert. Schließlich entstanden bei beiden jeweils drei bearbeitete Versionen aus der Klinkerburg-Fotoreihe.

Nach einer kurzen Pause in der Cafeteria wechselten wir vom Klassenraum in einen der Kunsträumen, um uns den entwickelten Bildern der Einwegkameras zu widmen. Beide suchten sich Bilder aus und gemeinsam mit uns gestalteten sie eine Fotoreihe mit kleinen Titeln oder Geschichten zu den Bildern. Shakib fotografierte sich beispielsweise im Schee und erzählte dann beim heutigen Treffen, dass er in Afghanistan oft große Schneemänner gebaut hat. Auf einem anderen Bild war einer seiner Nachbarn abgebildet, der ebenfalls aus Afghanistan kommt und laut Shakib sehr gute Witze erzählen kann. Besonders gut gefiel Munira ein sehr gelungenes Gruppenfoto ihrer Freunde draußen vorm Wohnheim. Da Muniras Familie mittlerweile in ein Haus umgezogen ist, wäre zu überlegen, ob Munira nicht noch einmal ein paar Fotos ihres neuen Zuhauses macht.

 


 

Freitag, 07.02.2014: 8.40- 13.10 Uhr


Materialien: Schaf, Digitalkameras


Am Freitag möchten wir gemeinsam eine Schafszucht besuchen. Da Munira äußerte, dass ihr Vater in Syrien mit Schafen handelte, erhoffen wir uns einen Anreiz für Muniras Geschichte finden zu können. Das Wollschaf dient zusätzlich als künstliche Requisite.

 

Aktualisierung:

 

Zum Abschluss der Projektwoche und auf Wunsch von Munira und Shakib: Kochen eines afghanischen Rezeptes und gemeinsames Pizzaessen. Der Besuch der Schafszucht wird zugunsten des gefundenen  Restaurantmotivs vorerst auf den Sommer verschoben.

 

Reflexion:

Am letzten Tag unserer Projektwoche wollten wir mit Shakib und Munira noch einmal die bisher geplanten Settings aufgreifen beziehungsweise vertiefen. Hierfür ließen wir die beiden kleine „Bücher“ mit dem Titel „Mein Foto“ erstellen. In diesem Buch wurden letztlich die Ideen, benötigte Requisiten etc. festgehalten. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Vorstellungen zu Muniras Bild, in dem der Unterschied zwischen der syrischen und der deutschen Esskultur in einem Restaurant verdeutlicht werden soll, bisher wesentlich konkreter sind, als die zu Shakibs Foto. In Bezug auf Shakib befinden wir uns noch auf dem Weg der Ideenfindung, da wir insbesondere im Verlauf der vergangenen Woche, immer wieder auf neue Einfälle und Anknüpfungspunkte stießen und diese zukünftig weiter diskutieren beziehungsweise abwägen möchten.

Um den beiden -nach der vorherigen Auseinandersetzung mit Photoshop- noch einmal zu verdeutlichen, welche Techniken und Möglichkeiten mit der inszenierten Fotografie verbunden sein können, schauten wir uns gemeinsam zwei Kurzfilme an, die die Vorbereitungen für verschiedene fotografische Inszenierungen von Thomas Brenner auf anschauliche Weise dokumentieren. Munira und Shakib folgten dem dargebotenem Geschehen interessiert und erkennen darüber hinaus zunehmend, welche Überlegungen in die Arbeit einfließen können.

Im Anschluss begaben wir uns mit den beiden in die schulinterne Küche, um zu kochen und die arbeitsreiche Woche auf diese Weise mit einem gemütlichen und kulinarischen Abschluss ausklingen zu lassen. Neben zwei verschiedenen Pizzen, die nach Belieben belegt wurden, kochten wir Muniras Lieblingsgemüse Brokkoli und dazu führte uns Shakib mit so genanntem Kuku in die Welt seiner Lieblingsgerichte ein. Das gemeinsame Kochen und Essen stellte einen schönen Ausklang der Woche dar und gab uns darüber hinaus die Möglichkeit, uns erneut in einer bis dahin unbekannten Situation zu erleben und voneinander bzw. miteinander zu lernen.

Wir hatten eine tolle, aufschluss- und erlebnisreiche Woche!

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